Der Aufstieg neuer generischer TLDs (gTLDs)

Der Aufstieg neuer generischer TLDs (gTLDs)

Ausführlicher SEO-Leitfaden über Der Aufstieg neuer generischer TLDs (gTLDs). Lernen Sie die besten Methoden und Setups kennen.

Domains TLDix-Redaktion Veröffentlicht: Aktualisiert: 6 Min. Lesezeit

Den größten Teil der Internetgeschichte bedeutete die Wahl einer Domain, sich zwischen wenigen generischen Endungen wie .com, .net und .org oder einer Länderendung zu entscheiden. Das änderte sich, als ICANN 2012 das New-gTLD-Programm startete. Heute gibt es weit über tausend generische Top-Level-Domains – von praktischen Endungen wie .shop und .app bis zu Nischen wie .photography oder .bike. Dieser Beitrag erklärt, woher die neuen gTLDs stammen, wie sie sich unterscheiden, worauf Sie bei Preisen und Verlängerungen achten sollten und wie Sie entscheiden, ob eine davon in Ihre Domainstrategie passt.

Woher die neuen gTLDs kommen

ICANN, die Organisation, die das weltweite Domain Name System koordiniert, hatte schon in früheren Runden einige Endungen eingeführt, etwa .info, .biz und .mobi. Die Runde von 2012 hatte jedoch eine völlig andere Größenordnung. Unternehmen, Gemeinschaften und Städte konnten sich darum bewerben, eine eigene Top-Level-Domain zu betreiben, und zahlten dafür eine Bewertungsgebühr von 185.000 US-Dollar pro Bewerbung. Bei ICANN gingen rund 1.930 Bewerbungen ein, und die ersten neuen gTLDs wurden 2013 in die Root-Zone aufgenommen.

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Die Bewerber ließen sich in mehrere Gruppen einteilen. Einige waren spezialisierte Registry-Unternehmen, die sich gleich um viele generische Begriffe bewarben. Große Technologiekonzerne wie Google und Amazon bewarben sich sowohl um allgemeine Begriffe als auch um ihre eigenen Marken. Städte beantragten Endungen wie .berlin, .hamburg, .london oder .istanbul, und zahlreiche Unternehmen sicherten sich sogenannte Dotbrand-TLDs, die sie ausschließlich für eigene Websites nutzen. Wie all diese Kategorien zusammenhängen, erklärt unser Beitrag Domain-Endungen verstehen.

Arten neuer gTLDs

ArtBeispieleWer registrieren darf
Offen generisch.xyz, .online, .shop, .siteIn der Regel jeder
Branche oder Interesse.app, .dev, .photography, .lawMeist jeder; teils mit Prüfung
Geografisch.berlin, .hamburg, .londonAbhängig von der Registry, oft mit lokalem Bezug
Marke (Dotbrand).google, .bmwNur der Markeninhaber
Gemeinschaft oder eingeschränkt.bank, .pharmacyGeprüfte Mitglieder der Branche

Die Unterscheidung ist wichtig: Eingeschränkte Endungen können ein Vertrauenssignal sein, während offene Endungen günstiger und schneller zu registrieren sind, aber auch mehr minderwertige Registrierungen anziehen.

Warum sich so viele Marken beworben haben

Eine Dotbrand-Endung gibt einem Unternehmen die vollständige Kontrolle über jeden Namen unterhalb der eigenen Endung. Niemand sonst kann dort einen ähnlich klingenden Namen registrieren, und die Marke kann jederzeit kurze, kampagnenspezifische Adressen anlegen. In der Praxis wurden viele Marken-TLDs jedoch nur zurückhaltend genutzt, und einige wurden von ihren Inhabern später wieder aufgegeben. Das zeigt: Eine eigene Endung ist keine einfache Marketingausgabe, sondern eine langfristige betriebliche Verpflichtung.

Sicherheit ab Werk: .app und .dev

Google betreibt unter anderem .app und .dev und hat diese Endungen vollständig in die HSTS-Preload-Liste aufgenommen, die in alle großen Browser eingebaut ist. HSTS (HTTP Strict Transport Security) weist den Browser an, ausschließlich über HTTPS zu verbinden. Weil die gesamte Endung vorgeladen ist, verweigert der Browser das Laden einer .app- oder .dev-Website über unverschlüsseltes HTTP – sogar beim allerersten Besuch.

In der Praxis bedeutet das:

  • Sie brauchen ein gültiges SSL/TLS-Zertifikat, bevor die Website überhaupt funktioniert.
  • Ein abgelaufenes Zertifikat erzeugt nicht nur eine Warnung; Besucher können in der Regel gar nicht zur Seite weiterklicken.
  • Lokale Entwicklungsumgebungen, die einen .dev-Namen ohne HTTPS verwenden, funktionieren in modernen Browsern nicht mehr.

Das macht .app und .dev attraktiv für sicherheitsbewusste Projekte, macht aber zugleich die Überwachung der Zertifikatsverlängerung unverzichtbar. Automatische Erneuerungen können unbemerkt scheitern, und bei diesen Endungen bedeutet ein solcher Fehler, dass die Website nicht erreichbar ist.

Dasselbe Prinzip setzt sich zunehmend durch. Auch andere Registries haben ihre Endungen vorladen lassen, und viele Website-Betreiber tragen ihre eigenen Domains in die Liste ein. Ob Ihre Endung es erzwingt oder nicht: HTTPS als Pflicht zu behandeln und Ablaufdaten von Zertifikaten im Blick zu behalten, gehört heute zur grundlegenden guten Praxis.

Das Beispiel .xyz und offene Endungen

.xyz startete 2014 und wurde dank niedriger Einstiegspreise und prominenter Nutzung zu einer der meistregistrierten neuen gTLDs – am bekanntesten ist wohl, dass Googles Mutterkonzern Alphabet abc.xyz als Unternehmensadresse wählte. Offene Endungen wie .xyz, .online oder .site ermöglichen es fast jedem, einen kurzen Namen zu finden. Niedrige Preise ziehen allerdings auch Spam und Missbrauch an. Manche E-Mail-Filter und Sicherheitswerkzeuge behandeln Datenverkehr von bestimmten günstigen Endungen misstrauischer. Wenn Sie E-Mails von einer neuen gTLD-Domain versenden möchten, sollten Sie das vorab testen.

Das heißt nicht, dass offene Endungen eine schlechte Wahl sind. Viele seriöse Start-ups, Kreative und Projekte nutzen sie erfolgreich. Wichtig ist, SPF, DKIM und DMARC korrekt einzurichten, eine neue Versanddomain schrittweise aufzuwärmen und durch beständige, legitime Nutzung eine gute Reputation aufzubauen.

Preise, Premiumstufen und Verlängerungsfallen

Die Preisgestaltung bei neuen gTLDs ist vielfältiger, als viele erwarten. Vor dem Kauf sollten Sie folgende Punkte kennen:

  • Aktionspreise im ersten Jahr: Registrare rabattieren das erste Jahr oft stark. Entscheidend ist der Verlängerungspreis, den Sie in jedem Folgejahr zahlen – vergleichen Sie also diesen Betrag.
  • Premium-Namen: Registries können kurze oder wertvolle Begriffe als Premium einstufen und deutlich mehr verlangen. Bei manchen Premium-Namen gilt der höhere Preis für jede Verlängerung, nicht nur für die Registrierung.
  • Preisänderungen der Registry: gTLD-Registries können ihre Großhandelspreise ändern, müssen dabei aber die Ankündigungsregeln ihrer ICANN-Verträge einhalten. Bei vielen Registraren lässt sich der aktuelle Preis durch eine mehrjährige Registrierung sichern.
  • Unterschiede zwischen Registraren: Der Endkundenpreis für dieselbe Endung variiert von Anbieter zu Anbieter.

Prüfen Sie immer den Verlängerungspreis, der beim Bestellvorgang angezeigt wird, und notieren Sie ihn zusammen mit dem Ablaufdatum. Ein günstiges erstes Jahr kann sich sonst in eine unerwartet hohe Rechnung verwandeln, wenn Sie nicht bemerkt haben, dass der Name ein Premium-Name war. Wer mehrere Endungen besitzt, sollte Verlängerungstermine und -beträge zudem in einer gemeinsamen Übersicht zusammenführen, um bewusst zu entscheiden, welche Namen wirklich gebraucht werden und welche man auslaufen lassen kann.

Helfen oder schaden neue gTLDs bei SEO?

Google hat erklärt, dass neue gTLDs in der Suche wie andere generische Endungen behandelt werden. Ein Keyword in der Endung, etwa .shop oder .photography, verschafft für sich genommen keinen Rankingvorteil. Auch geografische gTLDs wie .berlin werden als generisch und nicht als Ländersignal gewertet. Entscheidend ist dasselbe wie bei jeder Domain: hilfreiche Inhalte, eine schnelle und sichere Website und echte Verlinkungen. Größere Effekte zeigen sich bei der Wahrnehmung, der Merkbarkeit und der Klickrate – und die hängen davon ab, ob Ihre Zielgruppe die Endung kennt und ihr vertraut.

Wenn Sie eine etablierte Website von .com auf eine neue gTLD umziehen, behandeln Sie das wie jede andere Domainmigration: mit seitengenauen 301-Weiterleitungen und einer langfristigen Verlängerung der alten Domain.

Checkliste vor der Registrierung einer neuen gTLD

  1. Prüfen Sie mit der TLDix Domainsuche, ob Ihr Wunschname unter mehreren Endungen frei ist.
  2. Lesen Sie die Zulassungsregeln der Registry, besonders bei eingeschränkten oder geografischen Endungen.
  3. Vergleichen Sie den Verlängerungspreis, nicht nur den Preis im ersten Jahr, und klären Sie, ob es sich um einen Premium-Namen handelt.
  4. Richten Sie bei .app, .dev und anderen HSTS-vorgeladenen Endungen HTTPS und eine Zertifikatsüberwachung vor dem Start ein.
  5. Testen Sie, ob Kontaktformulare, Zahlungsanbieter und E-Mail-Systeme Ihre Endung akzeptieren. Ältere Software lehnt längere TLDs mitunter ab; die Branche spricht hier von Universal Acceptance.
  6. Erwägen Sie, die passende .com- oder lokale Länderdomain zum Schutz Ihrer Marke ebenfalls zu registrieren.

Wie es weitergeht: die nächste ICANN-Runde

ICANN hat die Erfahrungen aus der Runde von 2012 über Jahre hinweg in ihrem gemeinschaftlichen Policy-Prozess ausgewertet und plant, eine weitere Bewerbungsrunde für neue gTLDs zu öffnen. Erwartet werden Verbesserungen wie klarere Regeln, Unterstützung für Bewerber aus unterversorgten Regionen und mehr Aufmerksamkeit für internationalisierte Domainnamen in nicht-lateinischen Schriften. Die genauen Termine richten sich nach dem von ICANN veröffentlichten Zeitplan; aktuelle Daten finden Sie in den offiziellen Mitteilungen von ICANN. Für Unternehmen ist vor allem eines wichtig: Der Namensraum wird weiter wachsen, auch um zusätzliche Dotbrand-Endungen. Damit wird es immer wichtiger, die eigene Marke über verschiedene Endungen hinweg zu beobachten.

Ein wachsendes Portfolio unter Kontrolle halten

Neue gTLDs verleiten dazu, einen Namen gleich unter mehreren Endungen zu registrieren. Jede zusätzliche Domain bringt ein weiteres Ablaufdatum, womöglich einen weiteren Registrar und ein weiteres Zertifikat mit sich. Nutzen Sie die WHOIS- und RDAP-Abfrage, um Registrar und Ablaufdatum jedes Namens zu bestätigen, und überwachen Sie Domains und SSL-Zertifikate anschließend an einem zentralen Ort. So verfällt nichts, nur weil es vor zwei Jahren spontan registriert wurde.

Neue gTLDs sind weder eine Spielerei noch ein Ersatz für .com. Mit Blick auf Verlängerungskosten und Sicherheitsanforderungen sorgfältig ausgewählt, können sie einem Projekt eine kurze, aussagekräftige und einprägsame Adresse geben.

Häufig gestellte Fragen

Wie viele neue generische Endungen gibt es heute?
Durch das Programm von 2012 kamen über tausend neue generische Endungen in die Root-Zone, wobei einige Dotbrand-TLDs später von ihren Inhabern wieder eingestellt wurden. Die genaue Zahl ändert sich laufend, deshalb veröffentlichen ICANN und IANA die maßgebliche Liste. Zusammen mit den Länderendungen gibt es heute deutlich mehr als 1.500 Top-Level-Domains.
Warum lädt meine .dev-Website nicht über HTTP?
Die gesamte Endung .dev steht auf der HSTS-Preload-Liste, die in die großen Browser eingebaut ist. Browser erzwingen deshalb für jede .dev-Domain HTTPS, schon beim ersten Besuch, und bieten keine Möglichkeit, Zertifikatsfehler zu übergehen. Installieren Sie ein gültiges SSL-Zertifikat und sorgen Sie für dessen rechtzeitige Verlängerung, sonst erreichen Besucher Ihre Website nicht.
Zahlt man den Premiumpreis einer Domain nur einmal?
Nicht immer. Manche Registries berechnen den Premiumpreis nur bei der Registrierung und danach die normale Verlängerungsgebühr, andere verlangen ihn bei jeder Verlängerung. Die Bestellseite Ihres Registrars sollte den Verlängerungspreis anzeigen. Lesen Sie ihn genau und notieren Sie ihn, denn eine Premium-Verlängerung kann jedes Jahr ein Vielfaches des Standardpreises kosten.
Verbessert eine .shop- oder .app-Endung mein Google-Ranking?
Nein. Google behandelt neue gTLDs wie andere generische Endungen, und ein Keyword in der Endung ist kein Rankingfaktor. Die Endung kann aber beeinflussen, wie gut sich Ihre Adresse einprägt und ob Menschen darauf klicken, was indirekt eine Rolle spielt. Konzentrieren Sie sich stattdessen auf Inhaltsqualität, Ladezeit, Sicherheit und echte Verlinkungen.
Kann ich mich um eine eigene Top-Level-Domain bewerben?
Nur während einer ICANN-Bewerbungsrunde. ICANN plant eine weitere Runde, in der sich Organisationen nach den geltenden Regeln um generische, geografische oder Marken-Endungen bewerben können. Der Betrieb einer TLD bringt erhebliche Gebühren, technischen Betrieb über einen Registry-Dienstleister und langfristige vertragliche Pflichten mit sich und eignet sich daher vor allem für große Marken und spezialisierte Registry-Unternehmen.
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